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Intelligenter Rollator für die stationäre Pflege

Mehr Selbstständigkeit im Alter


Christopher Bonenberger (rechts) und Benjamin Kathan entwickeln zusammen mit verschiedenen Partnern einen intelligenten Rollator für die stationäre Pflege.
Quelle: Katharina Koppenhöfer

Die eigene Mobilität möglichst lange aufrecht zu erhalten, ist für viele ältere Menschen ein bedeutsamer Aspekt der Lebensqualität. Das gilt auch für die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeheime. Viele von ihnen benutzen daher einen eigenen Rollator. Seit Oktober 2017 wird an der Hochschule Ravensburg-Weingarten im Projekt RABE ein intelligenter Rollator speziell für Bedarfe in der langzeitstationären Pflege entwickelt.

„Mit dem intelligenten Rollator soll die Eigenständigkeit der Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegeheime verbessert und das Pflegepersonal entlastet werden“, sagt Christopher Bonenberger, akademischer Mitarbeiter an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. Die Abkürzung RABE steht für „Intelligenter Rollator für die stationäre Pflege zur Autonomie der Bewohner und Entlastung der Pflegekräfte“. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis September 2020 gefördert. Beteiligt am Projekt sind, neben der Hochschule Ravensburg-Weingarten, die TWT GmbH Science & Innovation, das Startup-Unternehmen Telocate GmbH und die Reiser AG Maschinenbau. Prototypisch eingesetzt wird der RABE-Rollator in den Einrichtungen der Stiftung Liebenau.

Akzeptanz des Rollators als Hilfsmittel ist hoch

Um den Bedarf zu ermitteln, wurden Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern geführt, mit Pflegekräften wurden die Anforderungen an einen intelligenten Rollator analysiert und mit Experten wie zum Beispiel Physiotherapeuten über nützliche Funktionen gesprochen. „Grundsätzlich wird der Rollator von den Nutzerinnen und Nutzern gerne als Hilfsmittel in Anspruch genommen. Er bietet Sicherheit und mehr Selbstständigkeit in der Gestaltung des Alltags“, so Barbara Weber-Fiori, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Angewandte Forschung. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Maik H.-J. Winter, Leiter des Studiengangs „Pflege“, hat sie in der ersten Projektphase eine Ist- und Anforderungsanalyse durchgeführt.

Doch welche neuen Errungenschaften wird der intelligente Rollator mitbringen? Und wie werden die Anforderungen technisch umgesetzt? Durch einen eingebauten Elektromotor kompensiert der RABE-Rollator sein Eigengewicht und unterstützt die Nutzerin oder den Nutzer beim Bewältigen längerer Strecken. „Am Rollator sind unter anderem Infrarot-Sensoren angebracht, die die Beinbewegung erfassen. Dadurch kann der Rollator zum Beispiel feststellen, ob eine Person gebückt oder aufrecht geht. Er erkennt Personen am Gangmuster und merkt, wenn eine Person ermüdet“, erklärt Bonenberger. Gerade bei Parkinson-Patienten sei es wichtig, dass der Rollator auch plötzliches Stehenbleiben erkennt, denn bei einer unvorhersehbaren Blockade der Muskelbewegungen können Parkinson-Patienten für mehrere Sekunden nicht mehr weitergehen.

Notruf selbstständig absetzen


Durch die entsprechende Sensorik kann der intelligente Rollator kurze Strecken autonom zurücklegen, so kann er zum Beispiel ans Bett der Patienten fahren oder bei Platzproblemen im Essenssaal eine Parkposition aufsuchen. „Der RABE-Rollator ist mit einer Navigationslösung ausgestattet, die zur Orientierung in der Pflegeeinrichtung und im Außenbereich dient“, so Benjamin Kathan, Mitarbeiter am Institut für Künstliche Intelligenz. Durch direkte Kommunikation zwischen Rollator und Pflegeeinrichtung könnten auch Bewohnerinnen und Bewohner mit Demenz, zum Beispiel beim Auffinden des eigenen Zimmers oder der nächstgelegenen Toilette, unterstützt werden. „Gerade bei Orientierungsproblemen im Pflegeheim ist es aber fraglich, ob eine technisch unterstützte Navigation für die Bewohnerinnen und Bewohner verstehbar ist, oder ob sie eher zusätzlich verwirrt“, fasst Weber-Fiori die Rückmeldungen der Pflegekräfte zusammen. Für das Sicherheitsgefühl der Bewohnerinnen und Bewohnern werde insbesondere die automatische Sturzerkennung und die Notruffunktion als sehr positiv bewertet. „Eine große Herausforderung des Projekts wird es sein, die Bedienung der einzelnen Funktionen so einfach und intuitiv zu gestalten, dass auch Personen mit kognitiven Einbußen diese nutzen können“, sagt Bonenberger.

Text: Katharina Koppenhöfer